"Team Wallraff" knöpft sich Kaufland vor: Im Markt tummeln sich die Mäuse

Jens Gebhardt
04.04.2025 um 12:00 Uhr
    Günther Wallraff enthüllte mit seinem RTL-Team zahlreiche Missstände bei Kaufland. | © RTL
    Günther Wallraff enthüllte mit seinem RTL-Team zahlreiche Missstände bei Kaufland. | ©RTL

    Reorter-Legende Günter Wallraff und ein Reporterteam seiner RTL-Sendung "Team Wallraff" haben in der neuen Folge am Donnerstagabend die Hygienebedingungen bei der Handelskette Kaufland unter die Lupe genommen.

    Die Reporter RTL-Sendung hatten für die Recherche gemeinsrsam mit dem Magazin Stern 50 Filialen untersucht. Zwei Reporterinnen arbeiteten während der Recherche zudem verdeckt in zwei Märkten und deckten vor Ort Mängel bei Hygiene und Lebensmittelsicherheit auf. Im bayerischen Bad Tölz sollen Beschäftigte an der Frischetheke das Mindesthaltbarkeitsdatum von Waren manipuliert haben. Außerdem wurden defekte Kühltruhen und Schimmel dokumentiert. Im saarländischen Homburg soll es den Recherchen zufolge Mäuse im Markt gegeben haben.

    Mäuse fressen Toastbrote an

    Die Reporter und auch Kaufland-Mitarbeiterinnen berichten von Mäusekot auf dem Boden und in den Backwarenbehältern, angefressenen Toastbroten und Chipstüten. Mit einer Spezialkamera filmte das Investigativ-Team von Reporterlegende Günther Wallraff nachts unter dem Keks- und Kuchenregal rege Mäusetätigkeit. 

    Die RTL-Reporter ließen auch Geflügelfleisch von Kaufland im Labor untersuchen. Dabei wurden in 15 von 30 Proben Bakterien nachgewiesen, unter anderem antibiotikaresistente Keime. Kaufland betont, man lasse das Geflügelfleisch regelmäßig kontrollieren, es habe im von RTL genannten Zeitraum keine Beanstandungen gegeben. Zudem seien die Fleischersteller für die Sicherheit der Produkte verantwortlich, nicht der Verkäufer.

    Weggeworfen werde daher bei Kaufland kaum etwas, heißt es in der Sendung. Abgelaufene Salate, Wurst oder Käse an der Frischetheke werden demnach neu verpackt und zugeschnitten und dann mit einem verlängerten Mindesthaltbarkeitsdatum im SB-Bereich verkauft. Die verdeckte Reporterin im Kaufland-Markt in Bad Tölz filmte, wie abgelaufener Garnelen-Kürbis-Salat und riechende Weißwürste trotzdem verkauft werden.

    Kaufland teilte nach der Sendung mit: "Bereits vor der Berichterstattung haben wir die Vorfälle umfassend überprüft und Maßnahmen zur Behebung der Mängel eingeleitet". Ein Großteil sei mittlerweile behoben. Außerdem laufe aktuell eine umfassende und detaillierte Aufarbeitung, wie es zu diesen Vorfällen habe kommen können. In den Filialen in Bad Tölz und in Homburg soll bereits eine neue Marktleitung im Einsatz sein, teilte das Unternehmen mit Sitz in Neckarsulm auf Anfrage der dpa mit. Die Filiale Bad Tölz in Bayern schließt nun vorübergehend bis zum 12. April und auch der Markt in Homburg wurde mittlerweile „bis auf Weiteres” geschlossen. 

    Auch Mängel bei den Arbeitsbedingungen

    Neben den Hygienemängel stießen die Journalisten bei Kaufland auch auf unzumutbare Arbeitsbedingungen. Der Druck des Konzerns, so wird es in der Reportage geschildert, sei extrem, Krankheit werde nicht geduldet - die Zahlen müssen stimmen. Ein  Kaufland-Marktleiter zitiert einen Vorgesetzten mit den Worten: „Ihr seid mein Brummkreisel. Ich muss immer wieder draufhauen, damit ihr euch dreht.“

    Kaufland betreibt in Deutschland mehr als 770 Filialen mit über 90.000 Beschäftigten. Die Supermarktkette ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe. Inhaber Dieter Schwarz ist laut "Forbes"-Liste der reichste Deutsche, sein Vermögen wird vom "Manager Magazin" auf rund 44 Milliarden Euro geschätzt. Aus dem operativen Geschäft der Schwarz-Gruppe hat sich der 85-Jährige längst zurückgezogen. Dennoch, so berichten es Insider, soll er hinter den Kulissen weiterhin das Imperium steuern.

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